Wie singt man Barbershop?

In der Barbershop-Musik singt der zweite Tenor als Führungsstimme ("Lead") die Melodie. Entsprechend sollte die Stärke der Chorstimmen in etwa nach dem Verhältnis 1:2:3:4 aufgeteilt werden, bezogen auf - in dieser Reihenfolge - Tenor:Bariton:Lead:Bass. (Diese Bezeichnungen werden auch für Frauenstimmen benutzt.)

Ziel des Barbershop-Gesangs ist ein möglichst kompakter ("close harmony") obertonreicher Klang ("expanded sound"), der im wesentlichen dadurch erreicht wird,

  • dass untemperiert intoniert wird,
  • die Balance innerhalb der Akkorde beachtet wird,
  • und die Vokalfärbungen aufeinander abgestimmt werden.

Bezogen auf einen Dominantseptakkord, den typischsten Barbershop-Klang, bedeutet Punkt eins zum Beispiel, daß die kleine Septime deutlich tiefer intoniert wird als auf dem Klavier, und Punkt zwei, daß Terz und Septime weniger kräftig gesungen werden als Grundton und Quinte.

Ein spannungsreiches Legato mit weichen Silbenverbindungen, direktem Ansingen der Töne und vorwärtsdrängender Energie ("forward motion") ist wichtig für einen durchfließenden Klang.

Da der Barbershop-Gesang eine - wenn auch kunstvolle - Form der Unterhaltungsmusik ist, soll eine geeignete Präsentation (Gesichtsausdruck, Körperhaltung, Choraufstellung, Kleidung), bei Rhythmus-Stücken ggf.eine Choreographie, die Wirkung der Musik unterstützen. Notenblätter werden bei der Aufführung nicht verwendet.

Kurt Gerhardt, Manfred Adams